Jegliche Art von Stress sollte man so gut es geht vermeiden. Diese Aussage haben Sie bestimmt schon oft gehört, doch bei der Frage nach der Umsetzung sind Antworten oft Mangelware.

Ich halte diese Aussage für falsch.

Denn richtig müsste es heißen „Wandeln Sie negativen Stress in positiven Stress um!“ oder „Vermeiden Sie negativen Stress und fördern sie positiven Stress!“
Sie merken jetzt vielleicht schon, dass ich dieses Thema von einer ganz anderen Seite beleuchten möchte. Grundsätzlich muss man erst einmal unterscheiden zwischen negativen – und positiven Stress.

Als negativen Stress bezeichne ich all die Dinge:

– die einem keine Freude bereiten
– deren Sinn Sie nicht erkennen oder erkennen wollen
– deren Zielstellung Ihnen völlig unrealistisch erscheint
– aus denen Sie keinen Erfolg und Glück ziehen können
– die Ihnen Energie rauben und keine neue Energie bringen

Diese Art von Stress sollte man, so gut es geht, vermeiden und/oder ihn in positiven Stress umwandeln.

Als positiven Stress bezeichne ich all die Dinge:

– die Ihnen große Freude bereiten
– hinter denen Sie zu 100 % stehen und Sie fest an die Idee/ das Projekt glauben
– von denen Sie fest überzeugt sind, ihr Ziel zu erreichen, selbst wenn es unmöglich erscheint
– bei denen Sie Erfolge Ihres Handelns sehen und spüren
– die Sie regelrecht wieder mit neuer Energie voll laden

Diese Art von Stress sollte man fördern, solange man sich nicht überfordert und von der Masse erschlagen fühlt.

Was passiert wenn man sowohl negativen, als auch positiven Stress versucht zu vermeiden?

Diese Stressvermeidungstheorie sehe ich extrem kritisch. Sie kann in den schlimmsten Fällen sogar Grundlage für die Entstehung von Depressionen sein.
Schon heute ist es ein sehr gängiges Modell, immer den Weg des geringsten Widerstands zu gehen.

„bloß keinen Stress machen“
„immer schön ruhig machen“
„bloß nicht zu sehr anstrengen“
„meinem Kind bloß keinen Stress aussetzen, es ist ja schon in der Schule so schlimm“

Diese Denkweisen sind Folge von der Aussage „Jegliche Art von Stress vermeiden“

Folgen dieses Phänomens:

– Inhaltslosigkeit des Lebens
– Innere Leere
– Begeisterungslosigkeit
– keine Zielsetzungen im Leben
– Langeweile
– keine Erfolge im Leben
– Arbeitslosigkeit
– uvm

All diese Punkte stellen eine große Ursache dar zur Entstehung von Depressionen und psychischen Beeinträchtigungen.
Die Folgen von der Vermeidung jeglicher Art von Stress sehe ich als ähnlich schlimm an, wie die Folgen von zu viel negativen Stress.

Kann man sich unbegrenzt positiven Stress aussetzen?

Nein! Zu große Mengen positiven Stress können sich irgendwann in negativen Stress umwandeln. Ein gesunder Mensch ist extrem belastbar und kann enorme Leistungen vollbringen, wenn er Freude, Glück, Liebe und/oder Erfolg dabei verspürt.
Wenn ein Mensch sich in der Masse zu vielen Aufgaben stellt, zu viele Projekte parallel laufen und einfach zu viel arbeitet, dann können Dinge, die einen vorher noch begeistert und innerlich erfüllt haben irgendwann zu negativen Stress führen.
Hier gilt es also das richtige Maß zu finden. Wenn man bewusst darüber nachdenkt, wird man selbst sehr leicht die Schwelle erkennen, wann sich positiver Stress in negativen Stress umwandelt.

Was sind die Folgen von negativen Stress?
Die Folgen von zu viel negativen Stress sind ebenfalls alarmierend!

– Burn Out Syndrom
– Schlaganfallrisiko steigt enorm
– Herzinfarktrisiko steigt enorm
– Krebsrisiko steigt
– Herzerkrankungen
– Magengeschwüre/Magenkrebs
– Verdauungsstörungen
– Erschöpfungssyndrome
– Antriebslosigkeit/Leistungsschwäche
– Tinnitus
– orthopädische Erkrankungen insbesondere des Rückens
– Nikotin- und Kaffeekonsum steigt
– uvm

Wie kann ich negativen Stress reduzieren/vermeiden?

Manchmal muss man sich im Leben von alten Dingen trennen, um neuen – eine Chance zu geben.
Leider ist mir diese Lebensweisheit erst viel zu spät im Leben bewusst geworden. Ich kann nur die Wichtigkeit dieses Punktes betonen. Loyalität ist eine sehr wichtige Eigenschaft eines Menschen, sie sollte aber Grenzen kennen.

Nehmen wir mal ein Beispiel.
Sie spielen Handball und geben immer alles für Ihren Verein. Viele Mitspieler kommen nur selten zum Training und sind sehr unmotiviert. Ihr neuer Trainer kann nicht mit Menschen umgehen und wird regelmäßig ausfällig. Sie hängen sich voll rein aber Sie sehen einfach keinen Erfolg und spüren keine Freude mehr an Ihrem Sport. Die Hoffnung, dass sich an diesem Zustand etwas ändert, haben Sie längst verloren.
Dann sollten Sie sich unbedingt davon trennen und sich einer neuen Herausforderung stellen.
Die meisten Menschen haben Respekt/Angst vor Veränderungen und bleiben lieber in Ihrem gewohnten, bekannten Umfeld, obwohl sie damit unglücklich sind und das eigentlich auch wissen.
Sie können sich nicht überwinden, neue Wege zu gehen, sich neue Herausforderungen zu suchen und werden sich dadurch weiterhin dem negativen Stress aussetzen.
Das geht auch anders. Geben Sie neuen Dingen eine Chance! Es ist unglaublich, wie schnell man damit negativen Stress in positiven – umwandeln kann.
Versuchen Sie sich aber definitiv von den alten Dingen im Guten und Friedlichen zu trennen! Andernfalls kann auch das wieder negativen Stress auslösen.

Schaffen Sie sich ein angenehmes Arbeitsumfeld!
Ein großen Teil des Lebens verbringen wir auf Arbeit. Leider ist allein der Gedanke an den Arbeitsplatz bei vielen Menschen mit negativem Stress verbunden.

Aber das geht auch anders, wenn man folgende Dinge beachtet:
Achten Sie bei der Berufswahl nicht primär darauf, wie hoch ihr Lehrgehalt ist, sondern viel mehr ob die Ausbildung Ihren persönlichen Interessengebieten entspricht. Ein Beruf, den Sie eigentlich nicht besonders mögen, werden Sie eventuell irgendwann abbrechen. Sie werden niemals Ihre volle Leistungsfähigkeit ausschöpfen, keinen oder nur wenig Erfolg haben und spüren. Das führt ein Leben lang zu negativen Stress.
In einem Beruf zu arbeiten, der Sie total erfüllt und den Sie leben, wird Ihnen auf lange Sicht höhere Einkommensströme, mehr Erfolg und mehr positiven als negativen Stress einbringen.
Vergessen Sie nicht! Man kann sich in jedem Beruf nach oben arbeiten, wenn man ihn mit Liebe macht.
Kümmern Sie sich rechtzeitig, mindestens 1-2 Jahre vor Beendigung der Schule, um Ihren Ausbildungs- und Berufswunsch, beziehungsweise kümmern Sie sich bei Ihrem Kind rechtzeitig darum.
Drängen Sie Ihrem Kind aber nicht den eigenen Wunsch auf, sondern führen Sie ihr Kind dazu, rechtzeitig selbst darüber nachzudenken, Ideen und Wünsche für die Berufswahl zu entwickeln.
Setzen Sie sich neue berufliche Ziele und versuchen Sie sich weiterzuentwickeln und weiterzubilden! Ein eintöniges, zielloses und langweiliges Arbeitsleben bedeutet meistens negativen Stress und ein geringeres Einkommen.

Höhere Ziele anzustreben, sich weiterzuentwickeln und in seinem Beruf besser zu werden schafft Lebensfreude, mehr Effektivität, Anerkennung und ein höheres Einkommen. Das kann zeitweise auch eine Menge positiven Stress bedeuten, aber wie wir wissen, löst positiver Stress erst in extremen Übermaße negativen Stress aus.

„Manchmal muss man sich im Leben von der alten Arbeit trennen, um der neuen – eine Chance zu geben“. Ja, das ist an die Ausführung angelehnt, die Sie bereits gelesen haben. Wenn Sie alles auf Arbeit geben, sich bemühen erfolgreich für das Unternehmen zu arbeiten, sich im Kollegium gut zu verstehen versuchen, aber Sie trotz aller Bemühungen keine Freude und kein Erfolg verspüren kann es eventuell Zeit für einen Arbeitswechsel sein. Achten Sie dabei auf die richtige Reihenfolge! Anfangs nach anderer Arbeit umschauen, Augen offen halten, intensiv beleuchten, ob es auch wirklich eine Verbesserung darstellt und erst danach rechtzeitig kündigen.

Angestellter oder selbstständig sein!? Das würde ich nicht für jeden pauschalisieren, was besser oder schlechter ist.
Sie würden gern selbstständig sein aber haben zu viel Angst, dass es nicht funktioniert!? Dann fangen Sie doch einfach vorerst an sich neben Ihrem regulären Job etwas aufzubauen, beginnend als Nebentätigkeit und es eventuell später in eine Selbstständigkeit umzuwandeln.

Arbeiten Sie an Ihren eigenen Fehlern!
Ja, auch dieser Punkt kann enorm zu einer Reduktion beitragen. Aber warum?
Der größte Teil von negativen Stress wird beinhaltet von Streit und Konflikten. Diese nehmen in unserer Gesellschaft immer mehr zu, wodurch auch der negative Stress bei Menschen immer mehr zunimmt. Wie kommt es zu Konflikten? Meistens stehen zu Beginn eines Konflikts leichte Unstimmigkeiten, minimale Fehler auf beiden Seiten oder manchmal sogar nur ein einfaches Missverständnis. In der Folge kommt es oftmals zu jahrelangen Streits, die manchmal sogar für den Rest des Lebens nicht mehr gelöst werden.
Ist Ihnen vielleicht auch schon mal aufgefallen, dass das zwischen Menschen stattgefunden hat, die Sie beide mögen und von denen Sie sagen würden, dass sie eigentlich einen guten Charakter besitzen? Beide stellen den anderen als totalen Unmenschen hin und er ist der Schuldige?
Dann ist das kein Einzelfall, sondern völlige Normalität.
Und jetzt kommen wir nochmal zum Ausgangspunkt zurück, „arbeiten Sie an Ihren eigenen Fehlern!“
Ich bin überzeugt, dass man so Berge von negativen Stress zur Seite schieben kann. Es wird zu weniger Konflikten kommen und man kann jahrelange Streits doch noch lösen.
Wie kann man das umsetzen und vor allem, „wenn doch der andere Schuld war“?
Denken sie ganz bewusst darüber nach, was genau passiert ist und was der eigentliche Ursprung des Streits war! Versetzen Sie sich auch unbedingt in die Lage des Gegenübers! Was kann die andere Person eventuell falsch verstanden haben. Was könnte die Person zu ihrem Handeln bewogen haben? Was haben Sie selbst falsch gemacht?
Beenden Sie nun den Streit, indem Sie den ersten Schritt machen. Eine gute Option zur Lösung eines solchen Konflikts ist es ein Gespräch wie eine Erörterung aufzubauen. Stehen Sie zu einem eigenen Fehler, dann sagen Sie ruhig, was Ihnen nicht gefallen hat, aber ohne der Person Vorwürfe zu machen und dann stehen Sie nochmal zu einem eigenen Fehler und entschuldigen sich dafür.
Es muss aber ehrlich und ernsthaft rüber kommen. Betonen Sie auch, dass sie es schade finden, dass andere Leute unter Ihrem Streit leiden müssen und dass man vor allem denen zu Liebe versuchen sollte wieder ordentlich miteinander umzugehen.
In den meisten Fällen werden Sie erstaunt sein, wie positiv die Reaktion der anderen Streitpartei ist und dass diese sogar anfängt zu eigenen Fehlern zu stehen.
Streit kann dauerhaft extrem viel negativen Stress bedeuten. Einen Streit zu lösen kann eine große Befreiung sein.
Machen Sie es sich nicht zu einfach eigene Fehler durch die Fehler anderer zu begründen Das wird dazu führen, dass sich ein Streit bis ins Unendliche hoch steigert. Oftmals denken die Menschen „der andere hat sich jetzt total daneben benommen, dann kann ich mir auch wieder was leisten oder habe einen Fehler frei“. Bitte befreien Sie sich von diesem Denken!
Sind Sie der Meinung, „dass Sie nur 2 Fehler gemacht haben und der andere 7“, dann arbeiten Sie trotzdem zuerst an Ihren beiden Fehlern. Können Sie trotz intensiven Nachdenkens keine Fehler mehr an sich ausmachen und Ihr Gegenüber zeigt keine Besserung, dann zählt u.a. hierfür der folgende Stressvermeidungsfaktor.
Verbringen Sie mehr Zeit mit positiv denkenden Menschen als mit negativ denkenden Menschen!
Es kann auch negativen Stress bedeuten, wenn man zu viel Zeit mit den falschen Leuten verbringt.
Orientieren Sie sich viel an positiv denkenden Menschen, die begeisterungsfähig sind, Lebensinhalt besitzen und mit denen Sie sich auch gut unterhalten können!

Diese Begegnungen werden Ihnen neue Energie und Freude bringen.
Meiden/verringern Sie dagegen den Kontakt zu regelmäßig negativ denkenden Menschen! Wenn jemand ständig schlecht gelaunt ist, immer pessimistisch und Sie dann womöglich noch schlecht behandelt, dann kann das auf lange Sicht eine Menge negativen Stress für Sie bedeuten. Suchen Sie die Ursachen dafür, bieten Sie solchen Menschen Lösungsansätze an und versuchen Sie diese mitzuziehen!
Wenn alle Bemühungen nichts bringen oder wenn Sie sich regelmäßig streiten, obwohl Sie bestmöglich an Ihren eigenen Fehlern arbeiten, dann sollten Sie solche Kontakte meiden oder zumindest stark einschränken!
Verbringen Sie zu viel Zeit mit solchen Menschen, dann kann das negativen Stress bedeuten, Sie psychisch und gesundheitlich belasten.
Natürlich ist es etwas völlig anderes, wenn einem Freund etwas Negatives widerfahren ist.
Hier sollten Sie selbstverständlich für diese Person, so gut es geht, da sein.

Nehmen Sie sich für alles genug Zeit , meiden Sie Zeitnot und Hektik!
Hektik und Zeitnot können dazu führen, dass Dinge, die Sie eigentlich mögen (positiver Stress), sich auch zu negativen Stress umwandeln können. Legen Sie sich also nicht zu viele Termine zu eng aneinander, damit Sie nicht so oft in Hektik und Zeitnot geraten. Das richtige Zeitmanagement ist hier ganz wichtig.
Meiden Sie unbedingt, dass Sie unzählige Dinge gleichzeitig tun sollen und in einer Sache ständig wieder unterbrochen werden! Ihre Effektivität wird massiv leiden und Sie werden dadurch regelrecht krank.

Ein guter Plan erspart die halbe Arbeit.
Sind Sie ein Planer oder ein Macher?
Man sollte diese beiden Mentalitäten keineswegs höher oder geringer werten! Eines steht aber fest. Auf das Planen nahezu vollständig zu verzichten führt meistens dazu, dass etwas überhaupt nicht funktioniert, man manche Dinge sogar nochmal machen muss oder Sie zumindest deutlich mehr Zeit benötigen. Alle 3 Szenarien führen definitiv zu negativen Stress.
Planen Sie ein wenig, bevor Sie etwas machen! Sie werden in der Regel Zeit sparen und viel mehr Freude bei dem empfinden, was Sie tun.