Horrorsturz, neuer persönlicher Rekord und Top Ergebnis

Am Anfang galt es wieder viele langsame Fahrer zu überholen, da ich im Startblock D eingeteilt war.

Bereits nach ca. 8 km kam es zu einem verheerenden Sturz. In einer Rechtskurve triftete ein unerfahrener Fahrer mit ca. 40km/h komplett nach links ab. Von hinten links kam ein Fahrer mit etwa 85 km/h und ich mit schätzungsweise 95 km/h. Ich schrie noch: „Scheiße Mann, passt auf!!“ Ich wollte damit den Fahrer links erreichen. (Der Fahrer rechts hatte komplett die Kontrolle über sein Rad verloren, das war mir bewusst.) Ich dachte nur noch: „Brems doch endlich! Da kommst du links nicht vorbei!“

Dann geschah es. Der Fahrer rechts fuhr ins Gras und der schnellere Fahrer von links versuchte noch über das Gras auszuweichen und kollidierte dort mit ihm. Ich war noch etwa 10 Meter dahinter und ich war in dem Moment überzeugt, das Rad des einen würde von der Seitenbegrenzung aus Blech zurück in die Strecke geschleudert werden und ich ebenfalls zu Sturz kommen. Das Rad flog aber nur nach oben in die Luft und im Bruchteil einer Sekunde war ich auch vorbei. Ich kenne keinen Moment bisher in meinem Leben, wo ich gleichzeitig so geschockt und erleichtert war. Dieses Gefühl kann man schlecht beschreiben.

Kurze Zeit später folgten die ersten Anstiege. Über einige Hügel kam ich komplett mit meiner enorm hohen Geschwindigkeit aus den Abfahrten hinüber, wo andere Fahrer bereits komplett runterschalten mussten und sich quälten. Doch dann kamen Wände mit bis zu 17 % Steigung. Am Ende sollten 1787 Höhenmeter auf knapp 74 km zusammenkommen. Langgezogene Anstiege sind neben Kopfsteinpflasterabschnitten meine große Schwäche im Radsport. Nachdem ich die erste von den 3 Runden absolviert hatte, fragte ich mich nur, wie ich es überhaupt überhaupt schaffen sollte 3 mal über diese Berge zu kommen. Die flache Grand Prix Strecke und die langen Abfahrten danach gaben mir aber Hoffnung, dass ich mich ein wenig erholen könnte bis zu den nächsten Anstiegen.

In der Abfahrt kam ich dann an der Unfallstelle vorbei und ein Streckenposten winkte bereits alle Fahrer rechts an der Unfallstelle vorbei. Ich sah nur im Augenwinkel, wie einer von beiden gerade in den Krankenwagen geschoben wurde und um ehrlich zu sein wollte ich es auch gar nicht sehen. Beide müssen wohl heftigste Knochenbrüche und Sehnenrisse erlitten haben.

Am folgenden Anstieg bekam ich leichte Bauchschmerzen, vermutlich psychisch bedingt und es viel mir noch schwerer diese Berge hinauf zu kommen.

In der 3. Runde konnte ich mich aber nochmal etwas steigern und ich denke auch, dass es diese Runde war, in der ich mein Ziel einer neuen persönlichen Höchstgeschwindigkeit erreichte. Die bisherige Höchstgeschwindigkeit aus dem Harz von 103,9 km/h konnte ich nochmal um 3 km/h überbieten auf nun 106,9 km/h.

Am Ende wird meine Fähigkeit in der Abfahrt in diesem Rennen zu einem großen Teil an einer guten Platzierung beigetragen haben. Auch in den letzten Anstiegen konnte ich mich gefühlt nochmal ein kleines bisschen steigern und meine letzten Kräfte mobilisieren. Im Ziel stand ein 148. Platz von ca. 800 Teilnehmern bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30,42 km/h zu Buche. Es damit das erste mal eine Platzierung in den Top 200 in einem Rennen des German Cycling Cups.